Namentlich sind dies die Strecken Vltava 29P, Vltava 29 und 28, wie sie in den offiziellen Gewässerbeschreibungen des Tschechischen Anglerverbandes bezeichnet werden. Es handelt sich hierbei um zwei sehr interessante Abschnitte unterhalb des Stausees Lipno, zwischen den Orten Loucovice und Rožmberk nad Vltavou, dicht an der Grenze zu Österreich in Südböhmen, bei einer Gesamtlänge von 17,6 km. Nicht umsonst fand hier 2005 die Junioren-Weltmeisterschaft im Fliegenfischen statt.
Wir hatten die Gelegenheit, anlässlich unserer CzechNymphing-Wochenendkurse im Mai 2008 und 2010, beide Gewässer-Strecken ausgiebig zu beangeln. Das Revier 29P fängt nicht weit vom Staudamm an und endet in Loucovice. Das Wasser fliesst aus dem Stausee Lipno und bahnt sich seinen Weg sehr oft zwischen riesigen Steinen durch ein bewaldetes Tal. Teilweise hat das Flüsschen ein bemerkens-wertes Gefälle. Im Flussbett sind riesige Felsbrocken, hinter ihnen bilden sich tiefe Gumpen, úber dem Wehr staut sich das Wasser fast zu einem kleinen See zusam-men. Hauptfisch ist die Bachforelle, man findet aber auch die Regenbogenforelle, den Saibling und vereinzelt auch die Äsche.
Direkt unter dem Damm ist das Angeln verboten. Kein Wunder also, wenn man dort mit dem blossen Auge Forellen von 40 bis 60 cm Grösse sehen kann. Das Revier 29P selbst wurde von der .örtlichen Organisation zum Catch&Release Revier erklärt. Man darf nur mit einer Fliege ohne Widerhaken angeln, und zwar nur an drei Tagen der Woche. Es werden nur zehn Karten pro Tag ausgegeben. Und dies für eine
7,1 km lange Strecke! Sie müssen einen Kescher dabei haben und dürfen den Fisch nur damit landen. Bachforellen von über 40 cm Grössee sind die Belohnung für all diese Massnahmen.
Das nächste Revier Vltava 29 fängt ab dem Ausgleichsbecken des Stausees bei Vyšši Brod an und endet im Rožmberk n.V., wo die Moldau zu einem grösseren Fluss. wird, der teilweise schwer zu betreten ist. Der Grund ist meistens steinig bzw. mit Sand bedeckt. Sehr oft gibt es Wassergras, wo sich die Fische sehr gerne aufhalten. Es handelt sich hierbei um ein sehr gut besetztes Gewässer Bach- und Regebogenforelle, Äsche und Bachsaibling. Jedes Jahr werden hier Fische mit einem Mass von 60 cm gefangen. Äschen erreichen hier teilweise 40 cm Grösse. Es gibt aber auch Räuber und Weissfische wie Döbel, Aland und Barsch.
Aus dem Ausgleichsbecken wird manchmal auch ein Karpfen „ausgespült“. Hier gelten ebenso strenge Reglements. Die Bachforelle hat ein Mindestmaß von
45 cm. Die Regenbogenforelle, die ein Mindestmaß. von 30 cm hat, wird als Setzling von 10 cm eingesetzt. Dass sie gut verwildert, ist dann kein Wunder. Sie liefert dem Angler einen genauso wilden Kampf wie die Bachforelle, nur manchmal noch etwas verbissener. Das Gewässer wird von der Ortsorganisation sehr gut gehegt. Es gibt Catch&Release-Abschnitte innerhalb der Strecke.
21 Bach- und Regenbogenforellen an einem späten Nachmittag auf Trockenfliege oder abwechslungsweise auf Nymphe, von einem Kursteilnehmer aus der Schweiz gefangen, sprechen dafür, dass beide Reviere mit Verstand bewirt-schaftet werden und einen ausgezeichneten Fischbestand aufweisen. An einem Donnerstag, bevor der eigentliche Kurs anfing, wollte ich es mit der Fliegenrute auch selber wissen. Obwohl ich mich nicht gerade zu den Frühaufstehern zähle, war ich schon um 7.00 Uhr am Wasser. Erst hat sich nicht viel getan. Der frühe Nebel bedeckte den Fluss. und es war ziemlich kalt.
Grosse Felsbrocken unterbrechen hier den Strom, dahinter bilden sich Augen, wo die Fische vermutlich an den Scharkanten zwischen dem ruhigen und schnell fliessendem Wasser auf ihre Beute warten. Das Wasser ist vom Torf leicht bräunlich gefärbt.
Ich versuchte es mit Nymphen - zwei Regenbogner liessen sich zum Anbiss über-
reden. Kurz vor 8.00 Uhr, als es langsam wärmer wurde, brach die Fressorgie los. Über dem Wasser kreisten plötzlich zahlreiche Köcherfliegen, die ihre Eier ablegten. Und die Forellen schnappten danach wie wild. Ich band eine 14-er Sedge an die Vorfachspitze, eine 12-er an den Nebenarm und wechselte die Stellung.
Ich warf schräg gegen die Strömung aus, so dass. der Strom die Fliegen ganz natürlich abtrieb. Die zuerst gemendete Schnur hat sich gerade in dem Augenblick gespannt, als die Fliegen die Kante zwischen Licht und Schatten erreichten. Vermutlich standen die Fische im Schatten, wobei die Fliegen in dem hellen Licht übers Wasser tanzten. Die Bisse waren heftig, ich musste sofort
anschlagen.
Ich habe 11 schöne Bachforellen gelandet, bis der Zauber irgendwann mal nach ungefähr einer halben Stunde wieder aufhörte. Einige Fische habe ich vom widerhakenlosen Haken in der starken Strömung verloren. Meist in dem Augenblick, als ich den Fisch in Reichweite hatte. Wahrscheinlich liess ich in der
Aufmerksamkeit kurz nach, weil ich dachte, er ist ja schon meiner...
Die Köcherfliegen verschwanden wieder und ich war müde und hungrig geworden. Ich beendete meine Angelei, packte mein Zeug ein und fuhr in die Pension, um zu frühstücken.
Der Stausee Lipno selbst verführt auch die Karpfenangler mit seiner Fläche von 4.650 ha und 48 km Länge zur Ausübung ihrer Leidenschaft. Er ist nur 6 bis 21 m tief. Karpfen, Brassen, aber auch Zander, Hechte und Barsche gibt es massenweise, so dass man keine Minute lange Weile erleben dürfte.
Man kann vom Boot aus oder von den mit Schilf bewachsenen Ufern aus angeln. Die Sandstrände bleiben den sonnenhungrigen Badenixen vorbehalten.
Die nichtangelnden Familienmitglieder werden dort genausogut auf ihre Kosten kommen. Der See, „Tschechisches Meer“ genannt, hat ca. 306 Mio cbm Wasser und bietet für Wassersportler eine grosse Palette an Freizeitaktivitäten, vom Baden bis zum Segeln, an. Um den See herum gibt es viele Campingplätze, Hotels bzw. Familienpensionen, wo man eine Unterkunft von preiswert bis etwas gediegen finden kann.
Aber einen kleinen Wehmutstropfen hat das Angeln an diesen Moldau-Gewässern schon. Die Bootsfahrer. An beiden Wochenendtagen - am frühen Vormittag und dann am Abend - kann man das Angeln teilweise vergessen.
Österreichische, deutsche, holländische und tschechische Wassersportler, die es lieber erst zu Hause in der Badewanne lernen sollten, wie man diese Dinger in einem schnell fliessenden Fluss steuern soll, gröllen da rum und fahren den im Wasser stehenden Angler oft über den Haufen. In der Woche ist es ruhiger. Bis die Ferien anfangen...
Dafür kann man am Wochenende bis nach Österreich auf gut beschilderten Wegen durch den Böhmerwald wandern. Die nahe gelegene Stadt Cesky Krumlov (Böhmisch Krumau) ist immer einen Besuch wert. Liebevoll „Venedig an der Moldau“ genannt, wurde sie auf Platz zwei der UNESCO Liste der schützenswerten Denkmäler Europas eingetragen. Das ca. 70 km entfernte, imposante Schloss. Hluboka nad Vltavou (Schloss Frauenberg) gehört zu den schönsten Schlössern Tschechiens. Es verfügt u.a. über eine bemerkenswerte Waffenkammer, wo sich eine in Europa einmalige Sammlung an Ritter-Rüstzeug sowie Stech- und Hiebwaffen befindet.
Wir haben während unserer Kurse jedesmal in der gemütlichen Familienpension „Pod Lipou“ in Loucovice gewohnt. Mit deftiger Hausmannskost und dem guten (nicht gefälschten) Budweiser vom Fass, das in der ca. 60 km entfernten Stadt Ceske Budejovice (Budweis) gebraut wird.
Übrigens, den Leuten in der Angler-Ortsorganisation der beiden Reviere kann man nur ein grosses Lob aussprechen. Für ihre Mühe und ihre Bereitschaft, umzu-denken. Denn das Bewirtschaften eines Gewässers heisst nicht, alles heraus-zufischen und wieder neu rein zu setzen, wie es hierzulande noch überwiegend praktiziert wird.
Ich meine aber, dass auch die Angler viel Verstand mit ans Wasser mitbringen sollten. Sie werden dann dafür mit solchen herrlichen Erlebnissen, wie sie uns zuteil wurden, entlohnt.
Falls Sie sich über Ihre eigenen Erfahrungen beim Fliegenfischen in Tschechien unterhalten wollen, oder mehr darüber erfahren möchten, besuchen Sie doch unser Forum!
Jaromir Knorre













BERICHTE/REPORTAGEN
Moldau mit Verstand
Viele kennen sie: „Die Moldau“, eine symphonische Dichtung von Friedrich Smetana aus dem Zyklus „Mein Vaterland“. Ein kräftiger Ausdruck des tschechischen Nationalbewusst-
seins. Aber viele von uns wissen nicht, dass der Fluss Moldau, auf tschechisch „Vltava“ genannt, mitunter auch sehr schöne Forellen-
strecken hat.
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